800 Kilo Rhein-Geschichte
Sondereinsatz bei erneutem Rekord-Niedrigwasser in Düsseldorf
Ein Motorrad, unzählige Reifen, ein Ölfass und jede Menge Metallschrott: Bei unserem jüngsten Sondereinsatz am Düsseldorfer Rheinufer wurde sichtbar, was sonst tief im Rhein verborgen bleibt. Neun Menschen haben am Wochenende gemeinsam rund 800 Kilogramm Müll aus dem Flussbett geborgen. Möglich wurde dieser besondere Einsatz durch einen Rheinpegel, wie wir ihn in dieser Form noch nie erlebt haben.
Der Rhein zeigt, was sonst verborgen bleibt
Seit dem Sommer begleitet uns am Rhein eine außergewöhnliche Niedrigwassersituation. Zwar gab es zwischendurch kurze Erholungen, doch immer wieder sanken die Pegel auf historische Tiefstände. Nach einer kurzen Erholung im Spätsommer erreichte der Düsseldorfer Rheinpegel im August 2026 einen historischen Tiefstand: Am 16. August fiel der Pegel erstmals in der Geschichte der Messungen in den negativen Bereich. Ende September zeichnete sich nach einer erneuten Abwärtsentwicklung ein weiteres Unterschreiten der Nullmarke ab.
Für uns bedeutet dieser extreme Wasserstand etwas, das wir mit gemischten Gefühlen betrachten.
Denn natürlich ist ein derart niedriger Rheinpegel kein Grund zur Freude. Er ist ein sichtbares Zeichen für die zunehmende Belastung unserer Flüsse durch Trockenheit und Hitze.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Klimaprojektionen für Deutschland auf eine Verschiebung der Niederschlagsmengen vom Sommer in den Winter und einen deutlichen Anstieg der Jahresmitteltemperatur hindeuten. Diese Veränderungen können Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Ökosysteme haben (Quelle: Umweltbundesamt (UBA), „Niedrigwasser/Trockenheit“, zuletzt aktualisiert am 09.03.2026).
Und trotzdem gibt es in dieser schwierigen Situation eine Möglichkeit, etwas Positives zu bewirken.
Wenn der Rhein sich zurückzieht, kommt der Müll zum Vorschein
Dort, wo normalerweise Wasser steht, liegt jetzt Rheinufer und Flussbett frei. Und genau dort wird sichtbar, was über viele Jahre, teilweise vermutlich Jahrzehnte, im Rhein verschwunden ist.
Bei unserem Sondereinsatz an der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf konnten wir Dinge bergen, die wir bei unseren bisherigen Cleanups noch nie zuvor gesehen haben.
- 12 alte Reifen
- Ein komplettes Motorrad
- Ein E-Scooter
- Ein Ölfass
- Metallstangen
- Und jede Menge weiterer Schrott und Müll
Was für uns auf den ersten Blick unglaublich erscheint, ist gleichzeitig eine Erinnerung daran, wie lange sich unser Müll in der Umwelt halten kann.
Ein Reifen verschwindet nicht einfach. Metall verrottet nicht innerhalb weniger Wochen. Und ein altes Fahrzeug gehört schon gar nicht in ein Flussbett.
Solche Gegenstände können für Tiere zur Gefahr werden, Lebensräume beeinträchtigen und Stoffe an die Umwelt abgeben. Was heute noch im Rhein liegt, kann außerdem mit dem nächsten Hochwasser weitertransportiert werden – flussabwärts und letztlich bis in die Nordsee.
Ein Rekord, den wir nicht feiern wollen
Der aktuelle Rheinpegel ist für uns deshalb ein ambivalentes Signal: Wir wollen keinen Rekord-Niedrigwasserstand.
Wir wollen einen gesunden Rhein mit ausreichend Wasser, vielfältigen Lebensräumen und einem funktionierenden Ökosystem.
Aber wenn der Rhein schon so wenig Wasser führt, wollen wir zumindest die Gelegenheit nutzen, die sich dadurch bietet: Müll zu entfernen, der sonst für uns unerreichbar unter Wasser liegt.
Jeder Reifen, den wir bergen, kann nicht mehr irgendwo im Flussbett zerfallen.
Jede Metallstange, die wir entfernen, kann kein Tier mehr verletzen.
Jedes Fass, jeder Schrottgegenstand und jedes weitere Stück Müll, das wir aus dem Rhein holen, bleibt dort, wo es hingehört: nicht im Lebensraum Rhein.
Aus einem Problem eine Chance machen
Der extreme Niedrigwasserstand macht ein Problem sichtbar, das uns als Gesellschaft noch lange beschäftigen wird: Wasser ist keine Selbstverständlichkeit.
Der Rhein ist Verkehrsweg, Trinkwasserressource, Lebensraum, Naturraum und Heimat für unzählige Tiere und Pflanzen. Wenn sich sein Wasserstand verändert, betrifft das weit mehr als die Schifffahrt.
Wir können nicht beeinflussen, wie viel Regen in den kommenden Wochen fällt.
Wir können den Klimawandel nicht mit einem Cleanup aufhalten.
Aber wir können beeinflussen, was in unserem Rhein liegt.
Und genau das tun wir.
Danke an unser Cleanup-Team
Ein besonderer Dank geht an die neun Menschen, die bei diesem Sondereinsatz dabei waren und gemeinsam 802,58 Kilogramm Müll geborgen haben.
Solche Einsätze zeigen uns immer wieder, warum wir weitermachen.
Manchmal finden wir eine Plastikflasche, manchmal einen Einkaufswagen und manchmal liegt plötzlich ein komplettes Motorrad vor uns.
Der Rhein erzählt uns an solchen Tagen seine ganz eigene Geschichte.
Wir sorgen dafür, dass diese Geschichte nicht mit weiteren 800 Kilogramm Müll weitergeschrieben wird.
Unser Rhein. Unsere Verantwortung.
Der niedrige Wasserstand hat uns Dinge gezeigt, die jahrzehntelang verborgen waren.
Jetzt haben wir die Chance, sie aus dem Rhein zu holen.
Für die Tiere. Für die Natur. Für unsere Umwelt. Und dafür, dass dieser Müll nicht irgendwann weiter flussabwärts und über den Rhein in die Nordsee gelangt.






























