Rhein-Pegel auf Rekordtief

3. August 2026

Manche Chancen entstehen erst aus einer Krise

Der historische Niedrigwasserstand des Rheins ist ein deutliches Warnsignal. Die Dürre und ihre Folgen bereiten uns große Sorgen. Gleichzeitig können wir dadurch Areale des Flussbetts reinigen, die für uns bisher unerreichbar waren. Uns war sofort klar: Diese Gelegenheit müssen wir nutzen, um jahrzehntealte Altlasten aus dem Rhein zu bergen - diesmal am Paradiesstrand. Dass wir am Ende über 1,5 Tonnen Müll bergen würden, ahnte da noch niemand.


Mit 35 unglaublichen Helfer*innen sind wir am vergangenen Samstag am Paradiesstrand ins Flussbett gestiegen. Und was wir dort gefunden haben, hat uns sprachlos gemacht: Teppiche. Planen. Farbeimer. Netze. Gummistiefel.

Plastikflaschen. Über 40 Reifen. Rostige Ölfässer. Müll, der sich tief im Sand verborgen hatte und oft erst nach mehreren Spatenstichen sichtbar wurde. Bei jedem Meter tauchten neue Altlasten auf. Es fühlte sich an, als stände man auf einer Deponie. ("Der Paradiesstrand ist eine Deponie", WZ Beitrag vom 03.08.2026)


Uns war klar: Dieser Einsatz verlangt besondere Vorsicht. Deshalb haben wir alle Teilnehmenden ausführlich zum Umgang mit möglichen Kampfmittel-Relikten eingewiesen. Mehrere erfahrene Personen begleiteten den Tag und konnten Funde sofort beurteilen. Glücklicherweise wurde diesmal nichts Gefährliches entdeckt.


Dafür stießen wir auf etwas anderes, das ebenso alarmierend ist: Aus uralten, durchgerosteten Fässern trat Öl aus, an anderen Stellen war der die Fässer umgebende Boden und Sand bereits sichtbar schwarz und kontaminiert. Feuerwehr und Umweltamt mussten hinzugezogen werden, damit der betroffene Bereich fachgerecht gesichert und dieser Sondermüll richtig entsorgt werden kann.


Am Ende dieses Tages zeigt unsere Waage 1.666,14 Kilogramm Müll.


Über 1,5 Tonnen Müll, die nicht länger im Flussbett des Rheins liegen. Öl, das nicht durch durchgerostete Fasswände ins Wasser sickert und es verseucht, Plastik, das sich nicht weiter zu Mikroplastik zersetzt und seine Reise Richtung Ozean fortsetzt.


1.666 kg – diese Zahl klingt groß. Aber sie erzählt nicht, wie viel Schweiß, Kraft, brennende Muskeln und Teamarbeit dahinterstecken. Jedes Fass musste gemeinsam aus dem Sand gelöst werden. Die meisten Reifen mussten ausgegraben werden. Vollgesogene Teppiche entwickeln ein unsägliches Gewicht, erst recht, wenn man sie durch Sand schleifen muss. Jedes einzelne Kilogramm Müll musste bis zum Sammelplatz geschleppt und anschließend gewogen werden – bei sengender Sonne und hochsommerlichen Temperaturen.


Es war Schwerstarbeit. Alleine wäre hier niemand weit gekommen. Und genau deshalb macht uns dieser Einsatz so stolz. Weil 35 Menschen beschlossen haben, diese schwierige Situation gemeinsam zu nutzen, um etwas Gutes zu bewirken und den Rhein von Altlasten zu befreien, die dort zum Teil seit Jahrzehnten lagen.


Besondere Funde waren auch diesmal wieder dabei – mehrere Vittelflaschen aus den 70er Jahren sowie ein alter Kaugummi-Automat, wohl auch aus dieser Zeit. Wie lange der riesige Knochen schon im Ufer lang, den Toby aus dem Sand zog, wissen wir nicht. Er stammt wohl leider nicht von einem Dinosaurier oder Mammut, sondern eher einem Wisent oder Hausrind. Beeindruckend dennoch allemal!


Danke an alle, die mit uns gebuddelt, getragen, geschwitzt, geschleppt und nicht aufgegeben haben. Ohne euch wären über anderthalb Tonnen Müll niemals aus dem Fluss gekommen.


Der Rhein hat uns an diesem Wochenende gezeigt, wie viel sich über Jahrzehnte im Verborgenen ansammeln kann. Wir haben gezeigt, was passiert, wenn Menschen gemeinsam anpacken.

Für einen sauberen Rhein. Für unsere Umwelt. Und für alles, was in und an unseren Gewässern lebt.


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